x.commerce – die neue Chance für Social Commerce?

Das ebay Magento nicht ohne Grund gekauft hat, war allen klar. Was genau daraus werden soll, ist nun mit x.commerce klarer geworden.
Im Grunde stellt ebay nun Shopbetreibern und Entwicklern die “Eierlegende Wollmilchsau” für den Handel zur Verfügung und integriert alle seine Produkte und Dienste auf einer Plattform inkl. der entsprechenden API Schnittstellen.

Letzter sind natürlich für jeden Entwickler spannend, der Tools oder Geschäftsmodelle aufsetzen will, die sich an Standardschnittstellen orientieren und als Mashups neue Mehrwerte erzeugen können.

Neben Magento (Shopsystem), Milo (Anbindung lokaler Warenwirtschaftsdaten), Redlaser (Mobile Barcodescanner Technologie), where.com (Mischung aus Foursquare und Qype) ist natürlich das Payment via Paypal zentraler Bestandteil.

ebay selbst beschreibt x.commerce wie folgt:
“It’s the first end-to-end, multi-channel commerce technology platform designed for all the ways consumers choose to shop today…”

Aber ebay legt noch nach und kooperiert mit Facebook. Konkret bedeutet das die Integration des Facebook Open Graphs als Schnittstelle in das x.commerce System. Damit sind soziale Profile (aktuell noch nach Permission des Users) direkt kombinierbar mit Shoppingdaten und können passiv als Recommendations genutzt werden oder auch aktiv für “Shopping with friends” Ansätze.

Das ist grundsätzlich nicht neu – erste Ansätze von Open Graph Verknüpfungen im Retail gibt es in den USA mit esty und in Deutschland von smatch.com. Die Verbindung mit einem all inclusive Paket über x.commerce wird diese Prägung des Social Commerce aber massiv fördern und wahrscheinlich auch zeitlich pushen.

Auf der K5 in München gab es, im Zusammenhang mit Marketplaceansätzen oder der über x.commere realisierbaren “alles aus einer Hand Plattform”, eine spannende Diskussion über den langfristen USP von Online Shops und damit über die Zukunft vieler Händler in den nächsten Jahren. Sicher ist, konservatives Zögern wird den Prozess der Zentralisierung im E-Commerce nicht aufhalten.

Die Nutzung von Vorteilen durch agile Datenströme aus Drittsystemen stellt aber auch für viele Händler (und Datenmittler) eine große Chance dar. Gleichzeitig wird die Öffnung der Systeme aber auch schwache Modelle schneller aufdecken und abstrafen. Einmal mehr heisst das “Try and error”, denn einigeln wird nicht funktionen!

Tipp für Online Shops: K5 – die E-Commerce Konferenz

Nächste Woche – vom 06. bis 07. Oktober – findet in der Münchener Reithalle die K5 – E-Commerce Konferenz statt. Organisator ist Jochen Krisch, der auch die erfolgreiche Konferenzreihe Live Shopping Days in Berlin ins Leben gerufen hat.

Ansonsten ist ist er durch sein E-Commerce Blog “Exciting Commerce” bekannt, wo er neben Marktbeobachtungen, auch immer wieder interessante Insider Informationen aus großen Handelshäusern präsentiert.

Spannend an der K5 Konferenz ist für mich der Ansatz der Veranstaltung – super relevante Themen, gute Speaker und eine Ticketpolitik, die dazu führen soll, dass die Top500 der deutschen E-Commerce Landschaft den Weg nach München finden.

Ein Händlerticket kostet (nur) 250 EUR – da gibt es, neben der Conversion Summit und einigen guten Barcamps (wie z.B. dem in Hamburg vom 11.-12.11.), wenig gleichwertige Veranstaltungen zu so einem Preis. Agenturen müssen etwas mehr zahlen – knappe 1.500 EUR. Damit sollte das Verhältnis von Agenturen und Händlern, ganz klar Richtung Online Shops ausfallen.

Ich freue mich auf die K5 nächste Woche und neben den KonferenzThemen auch auf gute Gespräche mit den Teilnehmern.

Wer noch kurzentschlossen buchen will, kann das via Amiando hier tun.

Google Shopping – von der Raupe zum Schmetterling

Es wird schon lange auf einen nächsten Schritt in der Entwicklung der Google Produktsuche gewartet. Nun sind erste Veränderungen in der amerikanischen Version der Google Shoppingsuche sichtbar.

US Version der Google Shopping Search

Schaut man sich im Vergleich die aktuelle deutsche Suche an, wird klar, dass Google sich stärker visuell aufstellt und dem User langfristig eine gezielte primäre Shopping Anlaufstelle – auch für emotionale Sortimente – bieten möchte.

Deutsche Version der Shopping Google Suche

Von Google heisst es im hauseigenem E-Commerce Blog zur neuen Suche:
“This is the first in a series of improvements we’re making to Google Product Search leveraging the computer vision and machine learning technology developed by the team we affectionately call our fashion and computer nerds…”

Spannend in diesem Zusammenhang – am 14.Oktober gehen bei boutiques.com die Lichter aus. Das ehemalige like.com Team wird dann komplett in die Productsearch von Google integriert und wird seine Erfahrungen hier umsetzen. Sowohl boutiques.com und like.com sind visuell und inhaltlich deutlich weiter, als die bisherigen Shoppingansätze von Google. 

Nur noch bis zum 14.Oktober live – boutiques.com

Hatten in den vergangen Monaten erst die technischen Preisvergleicher wie idealo und guenstiger gemerkt, dass Google deutlich mehr Invest in seine Übersicht und das Mapping der Produkte (ein Produkt mit mehreren Shopanbietern) gesteckt hat, will sich der Suchriese nun auch die softeren Sortimente vornehmen. Und da geht es um Farb- und Ähnlichkeitserkennung (wie bei like.com) und Visualität und Emotion (wie boutiques.com).
Spannend stelle ich mir die Übertragung der Personalisierungsfunktionen von boutiques.com in Kombination mit einem Google+ Profil vor. Mit der Reichweite der Google Produktsuche – diese wird ja stark via Universal Search gepusht – könnten Dienste wie Poylvore & Co. über Nacht ernsthafte Konkurrenz mit einer schnell wachsenden Community bekommen. Aber auch deutsche Produktsuchen, mit dem Schwerpunkt auf emotionale Sortimente werden Ihre USPs deutlich schärfen müssen, um dem – zur Zeit noch – kostenlosen Traffic der Mutter aller Suchen Paroli bieten zu können.
Poylvore – das nächste Akquiseobjekt für Google zum Lernen?
Langfristig wird Google die Wachstumsschwäche in den Adwords auch über Monetarisierung der Productsearch kompensieren. Spätestens dann muss die Suche mindestens das Niveau der Marktführer im Produktsuchen Segment erreicht haben. Ich bin sicher sie wird es. 
Im Zweifel kauft Google noch ein paar Firmen aus dem Umfeld, lernt und macht sie dann einfach zu.
Sicher ist… der geschlüpfte Schmetterling wird immer hübscher werden in den nächsten Monaten.

Änderung des Markenschutzes bei Google – mögliche Auswirkungen für den deutschen eCommerce Markt

Seit heute ist es offiziell – am 14.September 2010 fällt der bislang noch existierende Markenschutz von Google.

Im Google off. AdWords Blog heisst es dazu:

Mit ihr (Anmerkung: Anpassung der bisherigen Markenregelung) passen wir die Vorgehensweise in Europa an unsere Markenrichtlinie in den meisten Ländern der Welt an. In den USA und Kanada können Inserenten schon seit 2004 fremde Markenbegriffe verwenden, in Großbritannien und Irland seit 2008 und in vielen anderen Ländern seit Mai 2009…

Diese Entscheidung von Google wurde eigentlich schon viel früher erwartet und sollte deshalb für viele Werbetreibende nun auch nicht völlig überraschend kommen. In der Bewertung der Anpassung für den deutschen eCommerce Markt, muss man nach meinem Empfinden grob zwei Fälle unterscheiden:

1. Eine fremde Marke wirbt mit einer Drittmarke für ihr eigenes Angebot.
Dieser Fall splittet sich in zwei weitere Wege – (a) Marke 1 bucht das Markenkeyword der Marke 2 oder (b) Marke 1 nutzt im Anzeigentext zusätzlich zum gebuchten Keyword auch die Marke als Werbebotschaft. Also z.B. Adidas (Marke 1) und Nike (Marke 2).
Adidas würde im Text sagen: “Adidas Produkte sind so cool wie die von Nike”. In diesem Fall (textlich geht das bestimmt auch noch extremer), würde man die Möglichkeit haben, bei Google eine Beschwerde einzureichen.

Ist ein Markeninhaber der Auffassung, dass ein anderes Unternehmen mit einer geschalteten Anzeige die Nutzer verwirrt, kann er bei Google eine Beschwerde einreichen. Nutzer können beispielsweise durch Anzeigen verunsichert werden, die auf Webseiten führen, die fälschlicherweise den Eindruck erwecken, zum Markeninhaber zu gehören oder geschützte Markenprodukte oder -Dienstleistungen zu verkaufen. Ist dies nach Überprüfung durch Google der Fall, wird die Anzeige entfernt…

Im Fall 1 wird sich der Markt, meiner Meinung nach, aber selbst regulieren. Dem User werden die Ergebnisse nach dem Klick auf die Anzeige nicht wirklich sinnvoll erscheinen (Ausnahmen gibt es bestimmt auch hier) und spätestens bei Google durch höhere Biddings abgestraft werden, da sein Quality Score sich deutlich verschlechtern sollte.

Google plant hier aber keine Anpassung, wie Stefan Tweraser im Internetworld Interview erzählt. Man glaube bei Google, dass ein Advertiser schon “allein deshalb meist eine niedrigere Klickrate und damit einen niedrigeren Qualitätsfaktor” habe, dass eine Anpassung nicht notwendig sein wird.
2. Drittanbieter von Produktmarken buchen Marken, die sie verkaufen oder die in Ihren Angeboten zu finden sind.
Hier ergibt sich für Online-Shops, die bislang allein (oder in einem exklusiven Kreis) auf Topmarken bieten durften – weil die Marken dies bei Google ausdrücklich eingestellt haben – eine neue (erschwerende) Konkurrenzsituation.
Diese wird sich nicht so einfach – wie in Fall 1 – “selbst” regulieren. Sie ist auf jeden Fall für Händler, die noch nicht mit einer Marke werben durften, die sie anbieten und verkaufen, eine große Chance. Und auch nur fair, da ja auch jedes Offline Geschäft sein Schaufenster mit Werbebotschaften bestücken darf, wenn es die Ware auch verkauft.
Ähnlich verhält es sich mit Preisvergleichern und Produktsuchen. Diese bewerben für Händler deren Angebote und damit auch die bei den Partnershops verkauften Markenprodukte. Hier wird der Endnutzer, der Anzeigen klickt einen Vorteil erhalten, da Aggregatoren ihm einen größeren Überblick zu seiner gesuchten Marke bieten.
Auch möglich – aber “moralisch” anders zu bewerten – sind die Buchung von Shopnamen (nehmen wir mal die Shopnamen außen vor, die zeitgleich eine Marke sind wie z.B. “Esprit”). Es ist keinem Suchenanbieter langfristig zu empfehlen, die existierenden Händlermarken zu buchen und sich damit die Zusammenarbeit mit seinen Partnern zu “erschweren”.
In die letztere Gruppe fallen natürlich auch Affiliates, die ebenfalls Produktsuchen betreiben können, da ihnen Shops entsprechende Daten über Schnittstellen zur Verfügung stellen. Zu den existierenden Richtlinien (die viele Händler schon zusätzlich zum normalen Setting) bei Affilinet und Co. eingestellt haben, müssen nun Ergänzungen folgen. Sonst könnte sich (wahrscheinlich nur für einen überschaubaren Zeitraum, da auch die Affiliates Grenzwertsteuerung betreiben müssen), das Gebotstreiben recht bunt gestalten 🙂
Es bleibt abzuwarten, wie die deutschen Shopbetreiber reagieren werden. Am Ende des Tages entscheiden die User über den Erfolg von Anzeigen und die bald herrschende größere Vielfalt und Transparenz wird für sie auf jeden Fall von Vorteil sein.