Wird Google bald selbst zum Shop?

In den letzten Tagen hat die Nachricht der bald kostenpflichtigen Google Produktsuche die Online- und Retailerwelt beschäftigt und teilweise auch “erschüttert“. Der bislang für gelistete Händler kostenlose Service des Listings ihrer Shopprodukte soll nun Geld kosten.

Eigentlich war der Schritt doch klar! Es gab in den letzten Monaten viele Änderungen in der Google Suche, die klar auf eine baldige Anpassung des Google Modells verwiesen haben.

Google erkennt schon, ob es sich im eine Informations- oder Shoppinganfrage handelt und individualisiert die Suche.
  • Die Unsiversalsearch wurde bei shoppingrelevanten Suchanfragen immer häufiger durch direkte Angebote aus Google Shopping über dem Index geprägt. Google zeigt damit ganz klar, dass es genau weiß wann es um Shopping und wann es “nur” um Informationen geht.
  • Die von Google geforderte Taxonomie in der Produktsuche bzw. dem Einstellen im Merchant Center ist ständig angepasst worden. Ziel: Verbesserung der Datenbasis zum Vergleichen von Produkten. Gerade Fashion als eins der am stärksten wachsenden Sortimente im E-Commerce wird hier noch weitere Anforderungen erfüllen müssen, wie eindeutige Produktmerkmale (in den USA schon Pflicht!).
  • Schaut man sich die Wachstumzahlen der Top Advertiser in AdWords an, wird klar – das Wachstum (sowohl beim Budget als auch beim Ertrag) ist nicht mehr gleich steigend. Neue Erlösquellen müssen für Google her, um die ergeizigen (Aktionärs)Ziele zu erreichen.
  • Die neuen Werbeformate mit Produktintegration in den AdWords haben schon gezeigt, dass Google von den reinen Textanzeigen weg geht (oder weggehen muss?)

Ehrlich gesagt hätte ich Google schon viel länger zugetraut zu erkennen, was der Suchende genau möchte – Informationen oder Produkte. Aber Textanzeigen sind lukrativer als direkte Produkte und haben damit auch mehr zum Umsatz beigetragen.

Aktuell wird spekuliert, ob Google auch weitere Produkte kostenpflichtig machen wird!? Die viel spannendere Frage finde ich: Wird Google nicht irgendwann selbst zum Händler? 

So könnte Google – mit wenigen Handgriffen – selbst Shop werden

In den USA arbeitet der Suchriese gerade an einem Lieferdienst (noch für Händler), der gegen Amazons Prime Konzept antreten soll. Nehmen wir aber einmal andere Produkte von Google wie Wallet hinzu… stellt man fest, dass die Online Engel (Don´t be evil) aus Mountain View (fast) alles haben, was man zum Handel benötigt:

  • Google Shopping – alle Händler liefern seit Jahren ihre Daten freiweilig (weil kostenlos) an Google. Google lernt die Sortimente und kann genau sehen, was geht und was nicht.
  • Analytics ermöglicht Google zusätzlich auch noch die weiteren Schritte der Conversionkette zu verstehen und daraus zu lernen.
  • Der geplante Lieferdienst ist schon mal eine gute Vorlage für die logistische Herausforderung eines eigenen Shops.
  • Mit Wallet (Ex Checkout) hat Google ein eigenes Zahlungssystem und die Macht es auch für ambitionierte Konzepte zu pushen und groß zu machen.

Nun wird Google natürlich nicht sofort zum Shop werden. Aber wie schon der Wechsel von reinen Textanzeigen zu Mischanzeigen wie den Product Ads oder anderen Formen, der bald kostenpflichtigen Listung in Google Shopping… die Frage bleibt, wann Google sich mehr von einem Ansatz als Retailer vs. dem Verkaufen von Werbung an Retailer verspricht!? Die reine Mathematik spricht für ein Google Shop Modell. Allein schon die bessere Conversion durch die wegfallenden Klicks wäre enorm hoch. Und andere Händler auf einem Marktplatzansatz a la Amazon mitspielen zu lassen, ist ja auch eine denkbare Option.

Wie auch immer sich Google entwickeln wird… die Änderungen in Google Shopping werden sichet bald einen direkten Einfluss auf die SEO Positionen der Abitrage Anbieter wie Idealo, Ladenzeile, günstiger oder smatch.com haben. Hier wird Google sicher langfristig keine Konkurrenz für seinen neuen kostenpflichtigen Produktsuchenpart zulassen. Wenn alle aus dem Weg sind, kommt der Google SHOP!(?)