Adidas und seine (Igel) E-Commerce Strategie

Die gerade bekanntgewordene “E-Commerce Bedingungen für adidas Group Erzeugnisse” sind nicht neu für den E-Commerce Bereich, da viele Markenartikler ihre Angst vor dem Internetgeschäft und ihre augenscheinliche Hilflosigkeit mit vertraglichen Regelungen versuchen zu kaschieren.

Es verwundert mich jedoch schon, dass eine große Marke wie Adidas sich zu solch einem Schritt hinreißen lässt. Es ist sicher noch nachvollziehbar, dass Adidas großen Playern wie Amazon oder Ebay mißtraut, da sie die Einbindung von Produkten einzelner Marktplatzanbieter nutzen, um Sortimentsbereiche mit Potential zu identifizieren und auf- bzw. auszubauen. Dies ist aber eher ein Problem von Multistores, die Waren vieler Marken anbieten und auf Sortimentstiefe spezialisiert sind. Man will Online Shops die “gebrauchte oder beschädigte Waren anbieten” oder „mehrere Verkäufer für ein und dasselbe Produkt haben“ das Verkaufen von Adidas Artikeln verbieten.

Sorry, aber genau diese Beschreibungen treffen auf die erfolgreichsten und potentiell spannensten E-Commerce Ansätze zur Zeit zu. Versucht sich hier nicht die Lobby der alten “braven” Online Shops und Offline Händler gegen die Zukunft zu stellen? Ohne Aggregation und offene Schnittstellen – also auch die Möglichkeit sich eigene Shoppingwelten je nach Usergruppe bauen zu können – würden wir in der Entwicklung auf der Stelle stehen. Die Adidas Kollegen scheinen nicht zu den regelmäßigen Lesern von Exciting Commerce zu zählen 🙂

So stellt sich Adidas Markenshops vor… viel Marke und wenig Produkt(?)

Ganz klar wird die Weltfremdheit von Adidas bei der Regel, dass keine Shop zugelassen sind, die „keinen separaten Markenshop für jede zu adidas gehörende Marke“ besitzen. Es muss schön sein zu glauben, dass der typische Adidaskäufer einen Adidas Markenstore ansteuert und dann von Kopf bis Fuß seine Ausstattung bei einem Markenartikler kauft. Den wird es sicher geben – aber welchen Anteil hat er am Gesamtteil der Kunden von Adidas Produkten?

Marcel Rotzoll, Redaktionsleiter von ‘markt intern’, wird zitiert mit der Aussage: “Grundsätzlich ist das Aus für Amazon und Ebay aus Sicht des Fachhandels positiv, da diese Plattformen kaum das richtige Umfeld für beratungsintensive Markenprodukte bieten.” Man sollte die Frage erlauben, welchen Anteil von “beratungsintensiven Produkten” Adidas hat und welche Umsatzrelevanz sie haben. Ist Adidas nicht eher eine Lifestylemarke mit starken Sortimenten abseits der Sportausstattung? Und selbst die kann man online (gut) kaufen. Diese Ausrede gebrauchen sonst auch gern Offline Platzhirsche, für fehlende Investitionen in sich verändernde Kaufgewohnheiten wie heute online und zukünftig mobile und…

Adidas Schuh bei Amazon: Viele Variationen durch mehrere Shopanbieter
– nicht sexy aber funktionell und praktisch!
Meine letzten Adidas Schuhe habe ich übrigens bei Amazon gekauft. Dann werden es bald wohl eher Puma & Co. sein!

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