Google Falle? Welche Auswege gibt es?

In einem aktuelen Exciting Commerce Posting werden die Marketing Verantwortlichen von Quelle zitiert mit “Google ist eine Retailer-Falle”.

Dieser sehr nett klingende Slogan ist nicht falsch – aber wesentlich vielfälltiger in seiner Betrachtungsweise als hier dargestellt. Natürlich investieren die deutschen Retailer Millionen Beträge jeden Monat in Suchmaschinenmarketing. Aktuell auch wieder zunehmend in das Thema SEO.

Die dabei geschaffene Abhängigkeit des eigenen Geschäftsmodells ergibt sich dabei von selbst. Wenn wir das eCommerce Geschäft in die beiden Bereiche “bedarfsweckende und “bedarfsdeckende Werbung” unterscheiden, ist der erste Part ganz klar durch den Suchmaschinenriesen dominiert. Und das sicherlich zu Recht.

Die marktbeherrschende Stellung für alle suchrelevanten Vorgänge hat Google sich in den letzten Jahren verdient und ständig ausgebaut. Wenn – und danach sieht es immer noch nicht aus – es keine ernstzunehmende Konkurrenz gibt und die wenigen relevanten Mitbewerber keine gleichwertigen Werbemodelle bieten, sehe ich für diesen Bereich auch wenig Alternativen.

Diese liegen demnach in den “bedarfsweckenden Werbemodellen”. Hier sind gehübschte Affliate-Konzepte wie Me-Shops (wie die QStores) ein erster Schtritt. Aber sie sind ohne Integrationskonzepte, nichts weiter als eine Alternative zu den bestehenden Plattformangeboten von Zanox und Co.
Mal ehrlich, jeder der sich mit dem Thema Affiliating näher beschäftigt weiß, dass die Potentiale der guten Publisher schon weit ausgeschöpft sind und wir in diesem Umfeld eher von Mini-Agenturen sprechen müssen, als vom klassischen Affiliate a la “Amazon Affiliate Story”.
Das interessanteste Potential liegt meiner Meinung nach in den Umfeldern, in denen User noch aus Bereichen abgeholt werden können, die reichweitenstark sind und großes Wachstum haben. Dies sind vor allem Community Plattformen – entweder breit in der Aufstellung wie wer-kennt-wenn.de oder Facebook. Aber auch Spezialseiten sind spannend, da sie zwar kleine aber dafür sehr “interessierte” User zu einzelnen Themen bündeln.
Was in den Staaten schon sehr gut funktioniert, ist in Deutschland noch in den Anfängen. Meiner Meinung nach, sind die Integration von eCommerce Inhalten als bedarfsweckende Angebote der erfolgsversprechendste Ansatz. Ein Beispiel wären Mashups aus Inhalten zweier Partner. Der erste Partner stellt die User und den Informations-Content – der zweite die passenden Angebote in Bezug zu den Inhalten. Grundvorraussetzung hierfür ist ein hoher Automatisierungsgrad z.B. in Form von Webservices oder API Schnittstellen. Daran krankt es ja zur Zeit noch oft auf beiden Seiten.
Spannend wird es dann, wenn der eigentliche User die Möglichkeit bekommt, an diesen Modellen zu partizipieren. Hier sehe ich das Potential für den vielgelobten Affilate oder Publisher. Wenn Nutzer einer Plattform selbst bestimmen können, wie z.B. ihr Profil aussieht und die Besucher der Site die Angebote als “werbefrei” empfinden – dann wäre dies ein gelungender Ansatz.
Um das Beispiel bildhafter zu skizzieren:  Eine Userin stellt in ihrem Profil klar heraus, dass sie sich für Handtaschen interessiert. Sie bloggt eventuell auch zu diesem Topic – in der Community oder dezentral – dann müsste sie mit wenigen Klicks passenden Angebote integrieren können. Dabei will sie sich aber nicht bei einem Affiliate Programm anmelden, weil ihr das (a) zu viel Aufwand ist und (b) sie keine Erfahrungen mit der Thematik hat.
Der Anbieter muss ihre Plattform sein auf der sie schon aktiv ist und deren Anmeldeprozesse si durchlaufen hat. Als Monetarisierung muss nicht nur Geld ausschlagebend sein. Es können auch andere Möglichkeiten genutzt werden. Stichwort “Selbstdarstellung” oder “Sachvergütungen”.
Wenn man diese neuen und alternativen Ansätze für Online Werbung betrachtet, darf man sich trotz aller Möglichkeiten die sich bieten – und die auch kommen werden – nichts vormachen. Google Traffic wird für jeden Retailer in absehbarer Zeit die bedeutsamste Größe seines Online- Marketing-Mixes bleiben. Falle hin oder her! Es gibt aber Ergänzungsangebote und damit die Möglichkeit seinen Mix breiter zu gestalten. Auch in abverkaufsorientierten Werbeumfeldern, die jeder Retailer sucht.

4 Comments

  1. Ich bin eigentlich ein Fan dieser Kooperations- oder Integrationsmodelle. Aber aus meiner Erfahrung mit Sammelbestellern (ja, das ist alter Versandhaus-Kram) weiß ich, dass es hier nicht um eine technische Lösung geht, sondern um eine konsequente Vertriebsmaschine. D.h. die kleinen Vertriebspartner müssen mit Wettbewerben und Goodies bei der Stange gehalten werden, damit es interessant wird. In meinem Blog habe ich mir gestern dazu so meine eigenen Gedanken gemacht (http://tinyurl.com/dahglg).

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  2. Denke auch, dass die technische Vorraussetzung nur die Basis sein kann. vertrieblich bzw. mit der entsprechenden Marketingleistung kann das Me-Shop Konzept durchaus eine neue Affiliate Form sein. Nur wird sie nicht zu einem wirklichen Standalone Heilsbringer werden.

    Erfolgsversprechender werden eher Konzepte von Anbietern sein, die Produktangebote verschiedenster Shops bündeln können. Ausnahmen werden exklusive oder sehr große Shops sein. Letzteres geht in Richtung Amazon. Die sind aber auch schon eher eine übergreifende Plattform als ein Singe Shop.

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  3. Genau. Das sind dann die Smatch-Konzepte, Polyvores etc. Einfach deshalb, weil der Mehrwert nicht über den Preis kommt, sondern über die Style-Zusammenstellung. Da will man ja genau das haben, und nicht irgendwas nachgemachtes. Es ist zu mühsam, alles einzeln wieder zu vergleichen.
    Eigentlich könnten die Quelle & Co. ja sowas auch machen, sogar mit ihrem Sortiment. Otto hatte das in England mit Oli in gewisser Hinsicht angefangen. Aber eben nicht als “Oli-Store”, sondern nur in Form von Stylebooks, die man an andere versenden kann. Also eher eine aufgepeppte Wunschliste.

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